Letztens saß ich mit einer Freundin im Café und sie hat mich auf eine sehr spannende Frage gebracht. „Ich habe mir Schuhe gekauft, für 20€ im Sale. Ich habe die selben in schwarz- eigentlich sind sie nicht so bequem, aber dafür aus Leder und echt cool.“
Hmm, habe ich gedacht, kenne ich. Ich habe auch Dinge im Sale gekauft, weil sie dort irgendwie attraktiver wirken. Und wenn ich das Teil nicht hätte, würde etwas fehlen- denn es ist ein Schnäppchen. Irgendwie muss das Teil in den Korb gelegt werden.
„Wenn sie so unbequem sind, weshalb nimmst du sie dann mit“, fragte ich sie. Ich weiß die Antwort. „Sie sind schön. Und naja, das Angebot konnte ich mir nicht entgehen lassen.“ Ja, ich wusste die Antwort.

Okay, alles klar. Versteht sich. Leder für 20€. Sieht aber echt gut aus.
Ich weiß nicht, was mich an der Tatsache stört und weshalb ich bei dem Gedanken Bauchschmerzen bekomme. Weil ich denke unter welchen Bedingungen die Schuhe produziert wurden? Weil der Preis unverschämt günstig ist? Oder liegt es daran, dass ich mich kenne und mich selbst dabei erwische, wie ich erstaunlich wenig Geld für eine erstaunlich schlechte Qualität ausgebe und mich am Ende darüber freue?

Vergänglichkeit Kleiderschrank

Wenn ich wirklich ehrlich zu mir bin kann ich folgendes feststellen: Ich bin überhaupt nicht fehlerfrei, was mein Kaufverhalten angeht. Punkt. Aus dem Grund kann ich auch nichts predigen. Klar, dazu hätte ich generell kein Recht, aber sei es drum.

Wie kann es sein, dass ich so wenig Wert auf Kleidung lege? Wie kann es sein, dass das Bewusstsein für nachhaltige Kleidung und die Herstellungsprozesse, bzw. Arbeitsbedingungen an den Produktionsstandorten geschärft ist- ich mich aber trotzdem vom Sale hinreißen lasse?

Selbstverständlich kleide ich mich ein- primär um nicht zu frieren und nicht verhaftet zu werden, weil ich nackig durch die Stadt laufe. Aber sekundär drücke ich mich über meine Kleidung aus. Aber was kann ich durch günstige Kleidung ausdrücken?

Nun gut- günstiger Preis, günstige Qualität, Ausfransen vorprogrammiert. Das stopft eigentlich ganz schön meinem Kleiderschrank. Am Ende besteht dieser teilweise aus günstigen Teilen, die ich irgendwie auch nicht alle tragen mag, weil naja, irgendwie nicht.

Ich beruhige mich indem ich sage:
Ich achte auf die Verarbeitung: darauf, dass die Kleidung gut versäubert ist, darauf, dass die Nähte schön gerade sind, darauf, dass meine Jeans einen Damen- und nicht Herrenschnitt hat. Am meisten achte ich auf die Stofflichkeit, denn mir sind Stoffe wichtig, die mich im Alltag nicht in komische Situationen bringen.

Selbstverständlich weiß ich, dass Baumwolle schlecht ist für die Umwelt. Aber irgendwie ist mir das dennoch lieber als Viskose. Und dann erwische ich mich selbst bei dem Gedanken, dass ich stolz auf mich bin- ich habe ein T-Shirt gekauft aus Baumwolle (verbraucht ja nur x Liter Wasser für die Produktion), bei einem Unternehmen, das eine einzige nachhaltige Kollektion auf den Markt gebracht hat und sich damit brüstet. Wow, gut gemacht, Ana, so sollte das nicht sein.

Ich verstehe in welcher schnelllebigen Branche ich gelernt habe und nun arbeite: ich freue mich über neue Kleidung, ich liebe Zara dafür, dass ich günstig an coole Teile komme und ich werde nicht aufhören einzukaufen. Wenn ich ehrlich bin, werde ich wahrscheinlich immer günstige und weniger günstige Teile miteinander tragen. Das einzige, was mir sehr am Herzen liegt ist, dass die gekaufte Kleidung gut verarbeitet wurde- unabhängig vom Preissegment. Ein Kleiderschrank lebt solange, wie man ihn pflegt.

Also habe ich mir etwas überlegt:
Ich teile mit euch meine Erfahrungen- aus dem Studium, dem Einzelhandel und dem Privaten.

Es solle eine Art Strecke eröffnet werden: Stofflichkeiten, Herstellungen, Pflege, Veredlungen.
Zusammenfassend möchte ich bloß sagen: günstig bedeutet nicht gleich günstig aussehend. Wie unsere Kleidung wirkt ist bloß von uns selbst abhängig.

Ich bin neu bei whaelse.com und bin mir nicht sicher, welche Beiträge ihr Leser gerne von mir hätten. Sind diese Beiträge sinnvoll und interessant oder füge ich mit meinen geistigen Ergüssen keinen besonderen Wert der Bloggergesellschaft bei? Ich freue mich auf eure ehrlichen Meinungen.

Wie ist das bei euch? Könnt ihr mir da zustimmen oder eher nicht? Wie kauft eure Kleidung und worauf achtet ihr?